RAUM+ORT


Die offene Arbeitsgemeinschaft RAUM+ORT setzt sich mit raum- und ortsbezogenen Fragestellungen auseinander. Dabei geht es um eine künstlerische, wie eine theoretische Bearbeitung von konkreten Einzelfällen: Im Zentrum steht stets ein spezifischer Ort und dessen Singularität, sowie ein jeweiliges räumliches Gefüge, das sich an diesem ausbreitet. Das potentielle Spektrum erstreckt sich von materiellen zu sozialen Räumen, vom privaten zum öffentlichen Raum, von einzelnen Gebäuden zu Stadtvierteln, innerstädtischen Plätzen oder ländlichen Regionen. RAUM+ORT wurde im Jahr 2008 gegründet. An der offenen Arbeitsgemeinschaft beteiligen sich Künstler_innen und Theoretiker_innen. Arbeitsteams formieren sich projektbezogen.


Bisherige Projekte:


Brücke und Tor
(Entwurf für ein Gemeindezentrum – Entwurf: R.Weiss, B.Hinkes)

Denkmal für Freiheit, Einheit und Solidarität
(Denkmalsentwurf – Entwurf: B.Hinkes, Schnitte: P. Unger, Layout: R.Weiss)

Pavillon
(Kunst am Bau Projekt – Entwurf für die Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik : K.Theis, R.Weiss)

Der Dritte Raum
(Entwurf für Kunst im öffentlichen Raum – Entwurf: K.Theis, R.Weiss)

Die Presse als Organisator – Eine Untersuchung ostberliner Zentrumsarchitektur am Beispiel des Haus des Berliner Verlages (künstlerisch-theoretische Studie – R.Weiss)






Der Entwurf Pavillon für die Staatliche Ballettschule Berlin bewegt sich im Bereich zwischen Skulptur und Architektur. Er sieht die Errichtung eines Pavillons vor, der in Form und Funktionalität den Gedanken eines nutzbaren Aufenthaltsraumes mit dem thematischen Motiv des Tanzes verbindet. Der Pavillon schafft eine temporäre Rückzugsmöglichkeit für die SchülerInnen. Er ist ein Ort der Entspannung, aber auch der Begegnung und Kommunikation.

Die Grundidee
Die Idee eines Pavillons basiert auf der Vorstellung eines geschützten Ortes im Außenraum. Dieser dient der Erholung und Entspannung, ebenso wie der Kommunikation. Ein Pavillon vereint in der Regel zwei formale Elemente: Erstens große Fenster oder Wandöffnungen, die Ausblick gewähren; zweitens eine räumliche Anordnung, die Menschen in Kontakt miteinander bringt. Der von uns entwickelte Entwurf greift diese Grundprinzipien des Pavillons auf. Gestalterisch geht er dabei aber über den Gedanken eines rein funktionalen Gebäudes hinaus, indem er explizit auf seine räumliche Umgebung – die Ballettschule – und das Thema des Tanzes Bezug nimmt. Der Pavillon ist also beides zugleich: Real nutzbarer Ort, ebenso wie sinnlich erfahrbare Skulptur.

Der Entwurf
In seiner Gestaltung greift der Pavillon die markante Fassade des Schulgebäudes mit seinen großen Fensteröffnungen auf. Die dem Pavillon zugewandte Seite der Schule wird von der Außenwand des Pavillons ausschnitthaft wiedergegeben. Die von den Architekten bewusst inszenierte bildhafte Wirkung der Fenster wird dabei aufgelöst und wiederum in eine reale Räumlichkeit überführt.

Hinter den Fensteröffnungen des Pavillons öffnet sich ein dynamisch fließender Raum. Er besteht aus einer tragenden Rahmenkonstruktion und zwei darin eingehängten „schwebenden Flächen“. Diese bilden in konstruktiver Hinsicht den Boden und die (begehbare) Decke des Pavillons; sie können aber auch sinnbildlich verstanden und interpretiert werden: So wird die Bewegung des Tanzes, die durch die großen Fensterflächen der gegenüberliegenden Schule zu sehen ist, im Inneren des Pavillons fortgeführt. Hier sind es nicht die Körper der Tänzer, die die Bewegungen ausführen, sondern es ist der Raum selbst, der ein dynamisches Spiel aus Schweben und Gehalten werden, aus in Bewegung geraten und Balance finden vollführt.
Ein wichtiges gestalterisches Element bildet in diesem Zusammenhang die rhythmische Gliederung und unterschiedliche Schrägstellung der beiden Ebenen des Pavillons. Durch diese entsteht eine eigene Raumatmosphäre, die nicht nur visuell wahrgenommen, sondern auch leiblich erfahren werden kann. Anders als im Alltag der SchülerInnen bedarf die Körper- und Raumerfahrung dabei nicht der Eigeninitiative oder intensiver Arbeit. Vielmehr geht der Impuls von der dynamischen Bewegtheit der Fläche aus, die den menschlichen Körper dazu einlädt, diese gehend, sitzend, oder liegend zu erkunden.

Die Nutzungsmöglichkeiten
Der Pavillon ist als Raum für die SchülerInnen gedacht. Er bietet ihnen die Möglichkeit sich an einem eigenen Ort außerhalb des Schulgebäudes aufzuhalten. Durch ein gezieltes Wechselspiel aus offenen, halb-offenen und geschlossenen Flächen der Außenhaut bietet der Pavillon Schutz und Geborgenheit, ohne eine Abschottung herbei zu führen. Seine unterschiedlich gestalteten Wandflächen stellen eine Beziehung her zwischen Innen und Außen. Sie ermöglichen unterschiedliche Blick- und Perspektivwechsel.

Im Innenraum stehen Transparenz und Leichtigkeit im Vordergrund. Die partiell eingesetzten Lamellenwände sorgen für schöne Lichtverhältnisse und ein angenehmes Raumklima. Der obere Bereich des Pavillons kann über eine Sprossenleiter erschlossen werden. Er bietet einen Aus- und Überblick über das Gelände, sowie ein erhöhtes Plateau, das zum Entspannen in der Sonne einlädt.

Generell stehen die beschriebenen Nutzungsmöglichkeiten als alltäglicher Rückzugs- und Kommunikationsraum für die SchülerInnen im Zentrum des Pavillongedankens. Auch die temporäre Nutzung im Rahmen des Schulunterrichts, oder als experimentelles Bühnenelement ist aber möglich.

Standort
Der Standort des Pavillons markiert einen Knotenpunkt des Schulgeländes. Er steht im Zentrum von drei Gebäuden: Ballettschule, Internat und Artistenschule. Gelegen am Weg zwischen Ballett- und Artistenschule, Mensa und Internat verbindet und integriert der Pavillon so die unterschiedlichen Räumlichkeiten, sowie deren Schüler. Wo bislang nur Durchgangswege vorhanden sind bildet er einen Knotenpunkt für Austausch und Kommunikation.

Konstruktion
Das Tragwerk des Pavillons wird mit einem Betonfundament im Boden verankert. Es besteht aus Metall. In das tragende Gerüst werden Boden- und Deckenplatte eingehängt. Alle geschlossenen Flächen(Wandelemente, Boden, Decke) werden aus Holz gefertigt und mit einer witterungsbeständigen und der Nutzung entsprechenden Oberflächenbehandlung versehen. Die partiell zum Einsatz kommenden Lammellenwände bestehen aus wetterbeständigen Lärchenholzkanteln.

In seiner farblichen Gestaltung orientiert sich der Pavillon an der Gestaltung des Schulgebäudes. Es kommen die Farben weiß (Wandelemente, Boden, Decke), Anthrazit (Rahmen bzw.
Fensterelemente) und Naturholzfarbe (Lammellenwände) zum Einsatz.